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Hörbuch-Rezension: Frankenstein von Mary Shelley

Ich höre mir sehr gerne alte Klassiker als Hörbücher an, um mir meine Autofahrten im Aussendienst zu versüssen. So war es eigentlich mehr als klar, dass ich irgendwann auch mal die Geschichte “Frankenstein” konsumieren würde. Wie dem so ist, kann es manchmal vorkommen, dass gute Hörbücher gut sind und ich mich daran erfreue. Und da wären dann auch eben die entgegengesetzten Produktionen, die irgendwie an der Geschichte, na ja… vorbeilaufen.


Mary Shelley

Mary Shelley (Mary Godwin) war eine britische Schriftstellerin. Sie wurde am 30. August 1797 in London geboren und ist am 1. Februar 1851 in London verstorben. Aufgrund des schlechten Wetters konnte Mary’s Familie häufig die Villa Diodati am Genfersee (wo die Familie in Sommeraufenthalten weilte) nicht verlassen, weswegen Mary, um sich die Zeit zu vertreiben, ständig neue Schauergeschichten erfand. So entstand auch die Story von Frankenstein.


Villa Diodati am Genfersee   Quelle: Following Frankenstein

Die Geschichte
Der horrende Wissensdurst treiben den Schweizer Viktor Frankenstein dazu an, mit Leichenteilen zu experimentieren. Ständig liest Viktor frühere Werke des Alchemisten Cornelius Agrippa und Paracelsus. Viktor Frankenstein ist jedoch überzeugt, dass die Werke veraltet und generalüberholt sein müssen. Eines Tages gelingt ihm der Durchbruch. Er schafft es tatsächlich, totes Menschenfleisch mit Leben zu füllen. Oder was man als Leben in Fleisch definieren kann. Wohl eher erwacht Frankensteins “Monstrum” zum Leben. Getrieben vom ständigen Gefühl irgendwo dazugehören zu müssen, macht sich Frankensteins Monster auf und davon und sammelt viele persönliche Erfahrungen mit Mensch und Natur. Ständig wird das Monster von den Menschen, die durch sein schreckliches Aussehen erschrecken, vertrieben und verjagt. Doch sein Drang nach Liebe und Zuneigung schlägt aufgrund negativer Erfahrungen mit den Menschen alsbald in Hass und Habgier um. Er kehrt zu seinem Schöpfer zurück, um Forderungen zu stellen. Mitunter jene nach einer Lebensgefährtin: einem weiblichen Monster.

Meine Meinung
Die Geschichte selbst ist absolut erste Sahne. Einzigartig in ihrer Art und Weise beschreibt Mary Shelley die Gefühle aller Figuren des Romans. Zeitweise konnte ich sogar die bösen Gefühle des Monsters verstehen, ja sogar mitfühlen. Stellenweise schwenkt die Geschichte dezent ins Philosophische ab und zeigt auf einfache Art und Weise, wie schön unsere Natur doch eigentlich ist, bzw. sein kann. Die Killer-Seite des Monsters konnte ich dann leider nicht vollends nachvollziehen. Da fehlten für mich schlicht und einfach mehr Informationen zu dessen Persönlichkeit und Trieben. Dennoch ist die Geschichte von Mary Shelley ein „Must-Read“, ganz klar. Wer diese Geschichte noch nicht kennt, sollte sich sofort zum Bücherladen begeben und auf alle Fälle das Buch kaufen.


Cover zum Hörbuch

Das Hörbuch
Eigentlich ist das Hörbuch mit seinen zwei CDs viel zu kurz geraten. Eigentlich! Dafür muss man die Stimme der Sprecherin Katharina Thalbach (deutsche Schauspielerin) mögen, denn Mary Shelleys grandiose Geschichte hätte noch einiges länger dauern dürfen, wäre nicht diese Stimme. Doch bereits nach zehn Minuten nervte mich die Sprechweise wegen ihrer überdreht bedachten und künstlichen Aussprache. Ein Beispiel dafür: Das Monster spricht in der Geschichte oft über Mord und Totschlag und andere schreckliche Taten. Man stelle sich vor: eine Frau spricht über Tötungsdelikte eines Monsters wie aus einem Roman von Harry Potter. Ich finde, da müsste schon eine mysteriöse Stimme her, um Frankensteins Geschichte erzählen zu können, sonst schaue ich einfach die Tagesschau oder eine Wettersendung am Fernseher. Ich hatte nie wirklich Angstgefühle beim Zuhören, aber vielleicht war das ja nie die Absicht der Sprecherin. Schade eigentlich, denn vor einem solchen Monster, wie es Frankenstein erschaffen hat, würde ich mir in die Hosen machen, vorne und hinten. Das zumindest ist meine Meinung, was nicht heissen soll, dass das Hörbuch als solches schlecht ist. Wem Katharina Thalbachs’ Aussprache und Erzählkunst zusagt, könnte am Hörbuch durchaus Gefallen finden. Alternativ empfehle ich das aufwändig produzierte Hörbuch zu Bram Stockers’ Dracula, bei dem der Zuhörer wirklich ständig Hühnerarme und Eis-Attacken am Rücken verspürt. Mit Klick zum Hörbuch und der Hörprobe!

So kannte man Frankenstein als Kind

Fazit
Dieses Hörbuch ist garantiert etwas für alle, die gerne Klassiker in einer abgespeckten und harmlosen Form hören wollen. Oder für Zuhörer, die die Gänsehaut, wie man sie aus guten Gruselfilmen kennt, scheuen und umgehen wollen.